warte, damals war ich in.. also muss das, ach ja

Gestern wars, da zählte mein neuer Mitbewohner, eine Reihe Grafittikünstler (oder verstand ich was falsch?) auf, um zu einer bestimmten Jahreszahl vorzustoßen. Da fiel mir auf, jeder erinnert sich anders. Selten hat man zum Ereigniss gleich die passende Jahrszahl im Kopf. Also schafft man sich Brücken. Ein Frauenfreund sagt: das war vor Angela und nach Marie, also war ich 19 Jahre, wieder jemand anderes hat immer alle Erscheinungsdaten von MusikCDs im Kopf und kann da eine Verbindung zu seinen Lebensdaten abrufen. Bei mir funktioniert es über Reisen in fremde Länder, die ja durchaus als Großereigniss zu werten sind.
Da ich zur Zeit wieder mal viel über „die Zeit“ nachdenke und ich ein bissl Diskussionsstoff geben will, frag ich Euch wie Ihr das macht, mit dem Erinnern. Also, das Nähkästchen aufgeklappt und los gehts!

11 Gedanken zu „warte, damals war ich in.. also muss das, ach ja

  1. Ich für meinen Teil kann das nicht 100% an einer Sache festmachen. Mal weiß ich, in welchem Jahr ich auf welcher Schule war, dann an einer Beziehung oder meinem Zivi.
    Aber auch am Urlaub.

  2. Ich glaub auch nicht, das man sich „das Datum“ merken kann.
    Erinnerungen sind unteranderem was chemisches, wie ich finde – gab es da gut Ausschüttung von Adrenalin oder irgend ein andere Botenstoff, bleibt es auch demzufolge lange im Bewusstsein. Dann gibt es noch das Unterbewusstsein, laut Freud speichert es auch aus dem Bewusstsein verschwunde Ereignisse ab. Aber da hilft dann nur Psychoanalyse bzw. Hypnose evtl. weiter. Jedoch ist das jetzt nicht relevant wenn wir uns im Alltag, im vollem Bewusstseinszustand erinnern wollen. Also wie schon in diversen Marketingfutzistudien bewiesen, je lauter,bunter, heller, schriller das Ereignis, desto eher bleibt es kleben, egal ob un-/moralisch vertretbar. Und wenn das Ereignis ständig medial wiederholt wird umso besser. Ist diese Ausgangssituation mit Zeit verkoppelt, z.b. du schaust gerade auf die Uhr und zwei Türme stürzen neben dir ein, wirst du die Uhrzeit sicherlich nicht so schnell vergessen, bzw. nicht so schnell ins Unterbewusstsein absacken. Somit schlussfolgere ich, das Errinerungen enweder emotional verortete Brücken oder mit ständiger Wiederholung konditionert, eingebrannt sind. ICh schließe mich demzufolge dem Christian an und behaupte auch das es nicht das eine Ding gibt, andem man das Zeitliche herleiten kann.

  3. Der Martin soll mir mal erklären, wie man anhand von Graffitikünstlern sich Jahreszahlen merken kann *kopfkratz* … ansonsten ist es bei mir auch unterschiedlich. Meistens kann ich mir durch eben Reisen, wichtige musikalische Ereignisse in meiner Sammlung – und in den letzten Jahren vor allem auch durch eine Vielzahl von Konzertbesuchen – Jahreszahlen ,und was man damit verbindet, merken.

  4. Naja, so richtig kann ich das auch nicht an einer konkreten Sache festmachen. Es sind verschiedene Dinge die einem in Erinnerung bleiben. Also wenn ich mal versuche Daten aus meiner Erinnerung abzurufen dann spielen auf jeden Fall Beziehungen zu anderen Menschen eine Rolle; Schule, Ausbildung…; Krankheiten; MUSIK, Konzerte (bei Musik hab ich nur teilweise einen Bezug zu Jahreszahlen, aber auf jeden FAll bestimmte Erinnerungen zu bestimmten LIedern. Wenn wir ‚Sabotage‘ von den Beastie Boys im zarten Alter von 16/17 im Auto gehört haben, dann haben wir die Köpfe aus den Fenstern gehalten und sind dann laut schreiend durch die Gegend geheizt. ‚Bring da Pain‘ von Method Man war auch mal ne zeitlang ein Burner, und ganz klar: Millencolin, NOFX, Thumb und wie sie alle hießen. Oh Mann, da fällt mir ein, ich hab sogar mal die Texte von Fettes Brot auswendig gekannt, und dann haben wir in den Pausen immer die Lieder gesungen, Kräzie! UND mann hatte immer WEggehLieder, zum einstimmen auf die bevorstehende Party. [BLUR – Song Two, MOLOKO – Fun For Me, ASH – Walking Barefoot, PHOENIX – If I Ever Feel Better,…)
    Manchmal sind es auch Gegenstände die man sich mal gekauft hat, mein Fahrrad zum Beispiel hab ich mir von dem ganzen Geld gekauft was ich zur Jugendweihe bekommen hab. Und was bei mir noch zutrifft, sind meine Haare, also mit 17 hab ich mir Dreadlocks gemacht und mit 23 hab ich mich dann mal endlich durchringen können sie abzuschneiden, das war echt schrecklich, aber danach gabs kein zurück mehr. Es war auf jeden FAll ein unbeschreibliches Gefühl den Wind zu spühren, wie er durch die Haare fährt, und der Kopf war um ein paar Kilo leichter, echt ersaunlich wieviel Haare wiegen können.
    DA fällt mir ein, Körperschmuck spielt glaube auch ne Rolle.

  5. ich erinner mich leider an so wenige dinge. aber ich denk mir immer … so jetze ist hexenfeuer. in 12 monaten dann wieder … und bis dahin … was passiert wohl bis dahin. von einer straßenbahn überrollt zu werden dauert nur 5 sekunden (wenn man glück hat und gleich … also), sich verlieben geht vielleicht noch schneller. bei 12 monaten da hätte man 9 monate zeit ein kind zu und auf jeden falll hat man bis dahin nochmal geburtstag und weihnachten. und freunde zu besuch vielleicht auch… ein paar liter tränen verheult… vielleicht auch nur beim fahrradfahren im wind und gelacht und dann isser wieder da … der tag im april oder weiß gott was fürn anderer und dann ist das alles schon passiert und wieder hat man – also ich – dann nur so ein gefühl zu der sache. zu dem jahr. und dann gibts so sachen, an die erinnert man sich immer. zum bespiel hab ich mit 5 oder so total terz gemacht weil ich so einen doofen grünen plastefrosch mit so nem saugnuppi zum wo dranpappen haben wollte und ich hab den nicht gekriegt. aber ich hab gebrüllt und geheult wie am spieß. und dann so gefühlte acht jahre später hatte ich dann schulanfang und das teil inner tüte. konnt ich mich gar nicht richtig freuen, weil ich mich noch erinnert hab, wie scheiße ich war. was mit dem passiert ist, weiß ich jetzt nicht mehr. und wenn man sich jetzt überlegt, dass das alles irgendwo abgespeichert ist, weil festplatte löschen geht ja nicht … und für immer da … die letzten 24 jahre hexenfeuer und jeder kuss und der olle frosch.
    scary oder?
    ah jetzt fällt mir doch noch ein trick ein gefühle zu konservieren … ich hör im urlaub immer musik mit kopfhörern beim rumlaufen und wenn ich die nachher mal wieder höre, weiß ich zumindest noch wo ich war.

    …wahrscheinlich lief bei der plastefrosch-geschichte auch musik …

  6. soll ichs dir erklären lieber stefan? … also die fraufritzi hat das eben sagenwirmal etwas zusammengefasst … genaugenommen war es so, das ich mich versuchte zu erinnern wann ich einen bestimmten freund kennengelernt hatte (bzw wie lange ich ihn eigentlich schon kenne) … und da ich diesen freund im zusammenhang mit graffiti bzw als maler kennengelernt hatte, konnte ich über die verkettung vom kennenlernen anderen mal-freunde (durch die mir wiederum dieser spezielle freund irgenwann vorgestellt wurde) rekapitulieren, wann ich diesen freund kennengelernt hatte … aber in der tat kann ich nich alles auf das kennenlernen irgendwelcher maler zurückführen, soviel sei dazu noch bemerkt.

    ach ja, mal was ganz anderes am rande: hier eine kleine dokus des auszugs: http://www.jey-deloar.de/blog/?p=557

  7. to fritzi und martin: habt ihr schon gesehen was heute im studentenkino läuft? TIEFSEETAUCHER! ha, da kann ich mich glatt dran erinnern, das wir den am samstag zusammen auf martins sofa angeschaut haben.

  8. Schrecklich, wirklich schrecklich finde ich, dass man sich in der Tat an so wenig erinnern kann. 24 Jahre und alles was man hat sind so ein paar Bruchteile. Aber vielleicht kann man sich auch an mehr erinnern, wenn man sich damit beschäftigt. (wollte gerade schreiben „so etwas trainieren“, aber das finde ich gerade recht unschön). Müsste man sich mal Zeit nehmen. Auf der anderen Seite bewirkt diese Unfähigkeit, Momente wieder hervorzurufen im besten Fall, dass man die Gegenwart mehr wertschätzt.

  9. Das macht in der Tat Sinn, lieber Martin … und da fällt mir auch glatt passend zu ein, dass ich mir durch diverse Malaktionen außerhalb des eigenen Dorfes ziemlich viele Plätze, Impressionen und Menschen/Bekanntschaften merken und abspeichern konnte. Mir passiert es oft, dass ich in den seltsamsten Momenten an Dinge erinnert werde, die ich irgendwann mal unbewusst aufgenommen habe und eigentlich schon im gedanklichen Papierkorb gelegen haben. Ach ja, und dieses schöne französische Wort »dejá-vu«, dass begegnet mir auch recht häufig … gruselig

  10. @susann … ha, habs leider grad erst gesehen bzw mitbekommen, dases heute im studnetenkino lief … ich wär doch direkt nochma hingegangen, wenn ichs vorher gecheckt hätte.

    und ach ja, rechner läuft jetz auch in farbe übern fernseher – zukünftigen filmabenden steht also jetz wirklich nix mehr im wege …

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